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Morgenleite 05/2008: (Manuela Lehnert)
"20 Jahre Lehmanns Cafe´"
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Etwas
Eigenes gestalten, die persönliche Situation selbst beeinflussen, eigenständig
arbeiten, der eigenen Kreativität freien Lauf lassen, sich selbständig
machen - davon träumen viele Menschen. Den Schritt dazu gehen doch nur
wenige. Vor 20 Jahren war die Anzahl derer, die diese Entscheidung trafen,
sogar noch geringer, da die äußeren Umstände es einem nicht gerade
leichter machten. Christina und Wolfgang Lehmann begannen, allen Widerständen
zum Trotz, bereits 1985 mit den Vorbereitungen für die Eröffnung ihres
eigenen Cafes. Sie kauften ein 120 Jahre altes Haus an der Markersdorfer
Straße, das nur noch von einem älteren Herrn bewohnt war. Von 1985 bis
1988 bauten sie die ehemalige Kohlehandlung mit eigener Kraft und mit
Unterstützung von Familie und Freunden zu einem gemütlichen Cafe mit 25
Sitzplätzen um. Am 10.05.1988 wurde eröffnet, gleich von Anfang an mit dem
konzeptionellen Gedanken der Verbindung von Cafe und Galerie. In der ersten
Ausstellung waren Portraits des Chemnitzer Künstlers Matthias Stein zu
sehen. Dies war der Startschuss für eine Vielzahl von Konzerten, Lesungen
und Vorträgen, die „Lehmanns Cafe" seit seiner Eröffnung zu einer
wichtigen kulturellen Anlaufstation für die Bewohner der angrenzenden
Stadtteile werden ließ. Das Fritz-Heckert-Gebiet charakterisierte sich
gastronomisch durch große Restaurants in den Versorgungszentren, wodurch
sich das kleine Cafe als Besonderheit darstellte. Das Cafe selbst öffnete
erst 15 Uhr, denn vorher arbeitete der größte Teil der Stadtteilbewohner
in den angrenzen Industriegebieten, z.B. in Altchemnitz oder Schönau.
Warteschlangen von bis zu 50 Metern waren damals keine Seltenheit, erinnert
sich Familie Lehmann. Viele Kunden, die die Aufbauphase des Cafes miterlebt
hatten, wurden zu Stammkunden und sind dies bis heute geblieben, auch wenn
der Lebensmittelpunkt heute woanders liegt. Die politische Wende, die die
bekennenden Christen bewusst und aktiv von Anfang an auch auf der Straße -
trotz Bindung an das Geschäft - miterlebt haben, brachte keinen Einbruch
der Geschäfte, sondern eher noch einen Aufschwung. Als 1997
die erste Ausstattung und die Anlagen des Cafes mit ihrem DDR-Charme
verschlissen waren, sanierten Lehmanns - dieses mal mit Einsatz von Firmen
und zum stolzen Preis von 1,35 Millionen DM - ihr Lebenswerk. In der halbjährigen
Bauzeit von April bis Oktober '97, in der das Geschäft nur für vier Wochen
geschlossen war, erfolgte die grundhafte Sanierung und Erweiterung zu
„Cafe, Galerie und Pension". Aufgrund des gestiegenen Arbeitsumfangs
wurde die Einstellung eines Kochs und weiterer Hilfskräfte notwendig. Heute
hat das Ehepaar Lehmann fünf Angestellte. Durch die vielen Jahre Wohnen und
Arbeiten im Stadtteil Markersdorf sind die Lehmanns eng mit dem Gebiet
verwachsen. Das Ehepaar nimmt die aktuellen Entwicklungen bewusst wahr und
sieht auch Positives in manch struktureller Veränderung. Zudem engagieren
sie sich auch über die Stadtteilgrenzen hinaus. So konnten beispielsweise
Kindergärten und Schulen Ausstellungen im Cafe gestalten oder Einrichtungen
und Veranstaltungen, wie die Stadtteilfeste im Gebiet, werden je nach Möglichkeit
unterstützt. Dafür ein großes Dankeschön. Familie
Lehmann kann aber nicht nur auf 20 erfolgreiche Jahre Cafebetrieb zurückblicken.
Im Januar 2009 werden auch fünf Jahre „Bonhoeffers Abendschoppen"
mit der 100. Veranstaltung gefeiert. Diese, gemeinsam mit der ev.-luth.
Dietrich-Bonhoeffer-Kirchgemeinde ausgestaltete Veranstaltungsreihe setzt
sich mit Themen auseinander, die deutlich machen, das Gesellschaft, Staat
und kirchliches Denken in vielen Punkten nicht zu trennen sind. Die
hundertste Veranstaltung am 15. Januar, zu der der sächsische Landesbischof
Jochen Bohl und die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig zum
Podiumsgespräch eingeladen sind, steht unter dem Thema „Salz der Erde und
Licht der Welt - Anfragen an den Weg der Kirche im 21. Jahrhundert".
Zudem sind Sie auch herzlich eingeladen. noch bis zum 9. März die
Ausstellung „Fenster, Türen und Fassaden" - Ein Gang über den Kaßberg
mit Fotografien von Wolfgang Klar zu besuchen. Wir,
das Redaktionsteam der Stadtteilzeitung, wünschen dem Ehepaar Lehmann und
seinen Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg und den Gästen schöne Stunden
bei hausgemachtem Kuchen und Eis oder deftigen Menüs im gemütlichen
Ambiente von „Lehmanns Cafe". |
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